Die sieben Stäbe

Ein Bauersmann hatte sieben Söhne, die öfter mit einander uneins waren. Über dem Zanken und Streiten versäumten sie die Arbeit. Ja, einige böse Menschen machten sich diese Uneinigkeit zu nutze und trachteten, die Söhne nach dem Tode des Vaters um ihr väterliches Erbe zu bringen.

Da ließ der Vater eines Tages alle sieben Söhne zusammen kommen, legte ihnen sieben Stäbe vor, die stets zusammen gebunden waren, und sagte: „Dem, der dieses Bündel Stäbe zerbricht, zahle ich hundert große Taler bar.“

Einer nach dem andern strengte lange seine Kräfte an und jeder sagte am Ende: „Es ist ga nicht möglich!“

„Und doch“, sagte der Vater, „ist nichts leichter!“ Er löste das Bündel auf und zerbrach einen Stab nach dem anderen mit geringer Mühe. „Ei!“ riefen die Söhne, „So ist es freilich leicht, so könnte es ein kleiner Knabe!“

Der Vater sprach: „Wie es mit diesen Stäben ist, so ist es mit euch, meine Söhne! So lange ihr fest zusammen haltet, werdet ihr bestehen und niemand wird euch überwältigen können. Bleibt aber das Band der Eintracht, das euch verbinden sollte, aufgelöst, so wird es euch gehen, wie den Stäben, die hier zerbrochen auf dem Boden umherliegen.“

„Das Haus, wo Zwietracht herrscht, zerfällt;

nur Einigkeit erhält die Welt.“

(v. Schmid)

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