Das spielende Kind

Ein kleines Kind lief in der Stube umher und machte sich mit Spielen Spiel kindliche Lust. Scherben waren sein Geld, Klötze sein Haus, ein Stecken sein Pferd, ein Apfel sein Gericht, eine Puppe sein Sohn. Der Vater saß dabei am Tisch und hatte wichtige Sachen, die er aufschrieb und in Richtigkeit brachte, damit sie dereinst dem Spielvogel nützen möchten. Das Kind lief oft zum Vater und tat viel kindische Fragen und begehrte allerlei zu seinem Spiel. Der Vater beantwortete das wenigste, fuhr indessen mit seiner Arbeit fort und hatte doch ein wachsames Auge auf das Kind, damit es nicht fallen oder sonst Schaden nehmen möchte. Dies sah ein frommer Mann und sprach: „Das ist eine schöne Abbildung der väterlichen Fürsorge Gottes. Wir alten Kinder laufen in der Welt umher und spielen oft törichter als die Kinder. Wir sammeln und zerstreuen, wir bauen und brechen, wir pflanzen und reißen aus, wir reiten und fahren, wir essen und trinken, wir singen und spielen und meinen, wir tun große Dinge, die Gott besonders beachten müsse. Unterdessen sitzt der allwissende Gott und schreibt unsere Tage auf sein Buch; er ordnet und schaffet, was wir vor und hernach tun; er richtet alles zu unserm Besten und unserer Seligkeit und hat dabei stets ein wachsames Auge auf uns und unser Kinderspiel, damit wir keinen verderblichen Schden nehmen.

(Scriver)

Author: admin

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